15. September 2022 | 9 min Lesezeit

Outsourcing von CO2-Kompensation.

Ist das sinnvoll?

Im Bereich der Produktion und Energiegewinnung konnten CO2-Emissionen bereits erfolgreich reduziert werden. Bei der betrieblichen Mobilität fällt es vielen Unternehmen hingegen noch schwer. Im Wettstreit um neue Kunden bieten viele Anbieter von Mobilitätsbudgets und Softwarelösungen für Geschäftsreisen daher immer häufiger die Möglichkeit, überschüssige CO2-Emissionen zu kompensieren. Doch ist Outsourcing von CO2-Kompensation im Vergleich zur Reduktion der Emissionen eine langfristig sinnvolle Lösung?

Inhaltsverzeichnis

Mit externen Anbietern betriebliche Emissionen kompensieren statt reduzieren

Zwei von drei Neuwägen sind Dienstwägen, die damit gefahrenen Kilometer nehmen auch nicht ab und gäbe es keine Lieferengpässe würde auch die absolute Zahl der Neuzulassungen nicht abnehmen. Der Druck nach außen hin nachhaltiger zu wirken steigt und nimmt Einfluss auf Unternehmen mit großen Fuhrparks, hoher Pendlerstrecke und großen Geschäftsreiseaktivitäten. Sie sind daher oft dankbar für Anbieter, die ihre Emissionen kompensieren, ohne dass Prozesse im Unternehmen verändert werden müssen oder zusätzliche Kosten anfallen.

Automatisierte Erfassung der CO2-Emissionen statt Green Washing

Häufig nutzen Unternehmen das Angebot der externen Anbieter die gesammelten Emissionen zu kompensieren. Die Verantwortlichkeit für die verursachten CO2-Emissionen wird somit outgesourced und von dem Anbieter getragen. Das nennt man Green Washing. Einige Abrechnungstools für Geschäftsreisen eignen sich allerdings durchaus für die Dokumentation von CO2-Emissionen auf Geschäftsreisen, die bald für viele Unternehmen verpflichtend wird. Manche Anbieter ermöglichen mittlerweile eine automatisierte Erfassung von Emissionen. Daraus können strategische Maßnahmen abgeleitet werden, die zur Reduktion dieser beitragen ohne Geschäftsziele zu gefährden.

Waschmaschine mit Wäschekorb und Pflanze daneben

Das Erfassen von Mobilitätsdaten wird zur Pflicht

Aktuell sind betriebliche Emissionen der Mobilität noch nicht auditpflichtig. Unternehmen dürfen selbst entscheiden, wie sie ihre Mobilitätsemissionen erfasst und bei Bedarf kompensieren. Bei Einführung der auditierten Reportpflicht für betriebliche Mobilität ab voraussichtlich 2024 kann sich einiges ändern. In der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist geregelt, dass die CO2-Emissionen in Bezug auf den Arbeitsweg, Geschäftsreisen und den Fuhrpark dokumentiert werden müssen (BMUV, 2020). Dabei gilt ein CO2-Äquivalenzpreis pro Tonne CO2.

Steigender CO2-Preis bleibt nicht unbemerkt

Da jetzt schon feststeht, dass der CO2-Preis pro Tonne stark steigen wird (von 30 € pro Tonne im Jahr 2022 auf 55 € pro Tonne im Jahr 2025), werden die Kosten für Unternehmen oder den jeweiligen Dienstleister, der für das Unternehmen kompensiert, steigen. Wenn der Anbieter also für seine Kunden weiter kompensieren möchte, muss auch er seine Nutzergebühren erhöhen, um wirtschaftlich zu bleiben.

Green Washing aus Kostengründen zu betreiben rechnet sich daher mittel- bis langfristig gesehen eindeutig nicht. Dies scheint vielen Unternehmen sowie Anbietern allerdings nicht bewusst zu sein. Sie handeln frei nach dem Motto „kurzfristig gespart und langfristig überzahlt“.

Mann mit Fahrrad am Baum

Nachhaltiges Mobilitätsverhalten steht bei Kompensation im Hintergrund

Das Problem hierbei ist, dass Mitarbeitende oder das Unternehmen eine monatliche Gebühr an den Anbieter zahlen, die unabhängig vom Mobilitätsverhalten des einzelnen Mitarbeitenden ist. Es besteht also kein monetärer Anreiz, nachhaltige Mobilität bevorzugt zu nutzen. Gleichzeitig gibt es keine negativen Konsequenzen für Mitarbeitende, die besonders viel CO2 emittieren. Mit den Emissionen steigen jedoch die Gebühren, die beim Anbieter gezahlt werden müssen.

Ein Rechenbeispiel

Ein Unternehmen hat an einem Standort 200 Mitarbeitende, die durchschnittlich jeweils 16 Kilometer pro Weg zur Arbeit pendeln. Im deut­schen statistischen Mittel von 2020 pen­deln 68% der Belegschaft mit dem Auto, und zwar überwiegend alleine (Statisti­sches Bundesamt (Destatis), 2021). Von den 200 Mitarbeitenden fahren also 136 (68%) mit dem Auto. Ein Mitarbeiten­der emittiert bei einem Verbrenner im Schnitt 152 Gramm pro Kilometer. Bei 230 Tagen*/Kalenderjahr ergibt sich ein Verbrauch von 152,15 Tonnen CO2 pro Jahr**. Bei einem aktuell üblichen Kompensationspreis von 16€ pro Ton­ne, der für verschiedene Klimaprojek­te aufgerufen wird, ergäbe sich für das Unternehmen ein Kompensationspreis i.H.v. 2.434,40€ oder knapp 1,50€ pro Mitarbeitenden pro Monat. Die Produktions­emissionen des Fahrzeugs sind hier je­doch nicht einmal mit einberechnet. Würden alle diese Mitarbeitenden mit dem ÖPNV fahren, fielen 94 Gramm pro Kilometer und damit 92 Cent pro Mitar­beitenden pro Monat an (siehe Abbildung).

*30 Tage Urlaub bei 5-Tage-Woche = 230 Tage

** 32 km*152 Gramm CO2*136 Mitarbeitende*230 d = 152,15 Tonnen CO2 pro Jahr

Voraussichtliche Entwicklung der CO2-Preise

Bei durchschnittlichen Nutzergebühren von 8€ pro Nutzer:in pro Monat für solch eine Dienstleistung, sind das schnell circa 15% Der Nutzergebühren. Wie oben beschrieben, können diese Kosten von der Anbieter-Marge getragen werden oder der Preis wird indirekt an das Unternehmen weitergegeben.

Bei 15% wird der ein oder andere noch sagen, das ist in Ordnung. Betrachtet man die vorhersehbare Entwicklung der CO-Bepreisung in 2023, 2025, 2026 mag sich diese Einstellung schnell ändern. Das Bundesumweltministerium gibt einen verpflichtenden CO2-Preis von 30€ pro ausgestoßene Tonne in 2022 an, der in 2023 gezahlt werden muss. Sprich bei ÖPNV-Fahrern zahlt die Firma nun 1,72€ pro Monat und bei Autofahrern 2,81€. In 2025 liegt der Tonnenpreis voraussichtlich bei 55€ und das Unternehmen oder der Anbieter zahlen dann 3,16€ für ÖPNV-Fahrer und 5,15€ für Autofahrer pro Mitarbeitenden pro Monat. Das wäre im Schnitt 50% über der eigentlichen Nutzergebühr von durchschnittlich 8€. Ab 2026 bestimmen Angebot und Nachfrage den CO2-Zertifikatshandel. Einige Experteneinschätzungen zeigen, dass dieser schnell bei circa 250€ liegen könnte. In so einem Fall fallen Kosten pro Mitarbeitenden von über 25€ pro Monat an. Noch einschlägiger werden Geschäftsreisen mit dem Flugzeug. Ein Flugzeug emittiert circa doppelt so viel wie der PKW und es kommen weit mehr Kilometer zusammen.

Fazit

CO2-Preise werden exponentiell steigen und schon bald vergleichbar mit einer „zweiten Mehrwertsteuer“ sein. Es ist daher entscheidend, frühzeitige Maßnahmen einzuleiten, um Emissionen in der betrieblichen Mobilität zu reduzieren, statt lediglich über Dienstleister outzusourcen bzw. zu kompensieren. Wir haben uns bei MOBIKO daher für einen anderen Weg entschieden.

Drei Menschen halten Meeting auf dem Rasen

Best Practice mit MOBIKO & Project Climate: Erst incentivieren, dann kompensieren

Die Emissionen pro Mitarbeitenden langfristig zu reduzieren ist uns vor allem aus Umweltsicht sehr wichtig. Gleichzeitig wollen wir rechtzeitig ein Gefühl dafür entwickeln, wie hoch die Kosten sind, die wir in den nächsten Jahren voraussichtlich dafür tragen müssen.  

Sowohl für private als auch Pendlermobilität haben wir im Jahr 2021 1,16€ pro Mitarbeitenden pro Monat für die Kompensation der CO2-Emissionen gezahlt. Bei circa 70% privatem Anteil hätten wir eigentlich nach dem aktuellen Berichtsstandard des Greenhouse Gas Protokolls nur 35 Cent pro Mitarbeitenden pro Monat an Kompensationskosten. Wir haben uns aber dazu entschieden die Kosten vollständig zu tragen. Normalerweise hätte der private Anteil vom Mitarbeitenden getragen werden müssen.

Diesen vergleichsweise geringen Preis haben wir erreicht, indem wir unserem Team freistellen, von wo sie arbeiten. Durch einen hohen Home Office Anteil fallen daher einige CO2-Emissionen für das Pendeln zur Arbeit bereits weg. Für den gelegentlichen Weg ins Büro stellt MOBIKO mit einem Mobilitätsbudget steuerfreie Mobilitätsservices zur Verfügung (wie beispielsweise den ÖPNV) und übernimmt zusätzlich die Lohnnebenkosten für andere nachhaltige Mobilitätsarten, wie das E-Charging von Privatfahrzeugen, Fahrradkosten oder Fernzügen. Der Mitarbeitende lernt dadurch schnell, dass er eine deutlich höhere Rückerstattung erhält, wenn er die geförderten Mobilitätsarten nutzt. Das ist ein großer Motivator und regt dazu an das eigene Mobilitätsverhalten zu überdenken.

Die dennoch angefallenen Emissionen kompensieren wir über ausgewählte Projekte unseres Partners Project Climate. Dadurch wollen wir erreichen, dass Emissionen und deren Preis auch in den kommenden Jahren möglichst gering bleiben und wir von einer „zweiten Mehrwertsteuer“ verschont bleiben.

Schlusswort

Sollten Sie Interesse an einer Umsetzung Ihrer Mobilitätsstrategie mit einem Mobilitätsbudget von MOBIKO haben, kontaktieren Sie uns jederzeit unter sales@mobiko.de.

Sie wollen wissen, was Nachhaltigkeit eigentlich bedeutet und Fakten über Klima-Emissionen und deren Auswirkungen kennenlernen? Dann besuchen Sie das Seminar vom Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) zum Thema „Nachhaltigkeit im Travel Management“. Das Online-Seminar findet am 27. und 28. Oktober über die Plattform „Zoom“ statt.

Quellenangaben

  1. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucher- schutz (kurz: BMUV) (21.12.2020). Fragen und Antworten zur Einführung der CO2-Bepreisung zum 01. Januar 2021. https://www.bmuv.de/service/fragen- und-antworten-faq/fragen-und-antworten-zur-einfuehrung-der-co2-beprei sung-zum-1-januar-2021 (Zugriff am: 22.08.2022)

  2. DESTATIS Statistisches Bundesamt (15.09.2021). 68% der Erwerbstätigen fuhren 2020 mit dem Auto zur Arbeit. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/09/PD21_N054_13.html (Zugriff am: 23.08.2022)

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Autorin: Charlene Wuermeling

Content Marketing Managerin at MOBIKO GmbH

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