6. Juli 2026 | 6 min Lesezeit

E-Auto zu Hause laden: Kosten im Vergleich zu öffentlichen Ladesäulen

Was ist günstiger – öffentlich laden oder zu Hause? Das Laden eines E-Autos zu Hause ist in den meisten Fällen deutlich günstiger als öffentliches Laden. Für einen realistischen Kostenvergleich reicht der reine Strompreis pro Kilowattstunde jedoch nicht aus. Entscheidend sind auch weitere Kostenfaktoren für die Wallbox, das Ladeverhalten sowie eventuelle Gebühren. Dieser Artikel zeigt, welche Kosten beim öffentlichen Laden und beim Heimladen eines E-Autos tatsächlich entstehen und worauf Unternehmen sowie Dienstwagennutzende achten sollten.

In Kürze

  • Heimladen ist in den meisten Fällen deutlich günstiger als öffentliches Laden – entscheidend sind jedoch alle Kostenfaktoren rund um Strompreis, Infrastruktur und Ladeverhalten.

 

  • Öffentliche Ladesäulen verursachen neben höheren Stromkosten oft zusätzliche Gebühren wie Blockier- oder Roaming-Kosten.

 

  • Unternehmen profitieren beim Heimladen von geringeren Flottenkosten und weniger Ladezeit während der Arbeitszeit.

 

  • Rechenbeispiele zeigen: Besonders bei regelmäßiger Nutzung lassen sich durch Heimladen erhebliche Kosten einsparen.
Inhaltsverzeichnis

Welche Kosten beim Heimladen entstehen

Zur Ermittlung der Ladekosten für ein Elektroauto darf nicht nur Strompreis × Lademenge gerechnet werden, sondern es müssen die „total costs of charging“ betrachtet werden.

Diese Faktoren beeinflussen die Ladekosten eines E-Autos, wenn es zu Hause geladen wird:

1. Stromkosten pro kWh

Wer sein E-Auto zu Hause an der eigenen Wallbox lädt, rechnet den Strom über den Haushaltsstromtarif ab. Die Preise für den Haushaltsstrom sind abhängig von Anbieter, Wohnort (durch Konzessionsabgaben) und Tarifwahl. Durchschnittlich kostet der Strom in Deutschland etwa zwischen 24 und 40 Cent pro kWh inklusive Grundpreis. Gegebenenfalls lohnen sich auch spezielle Ladestromtarife beim Anbieter. Wer selbst eine PV-Anlage besitzt und den daraus erzeugten Strom zum Laden für das E-Auto nutzt, profitiert von deutlichen Kostenvorteilen.

2. Wallbox-Kosten

Hinzu kommen Kosten für die Wallbox. Dazu gehören Anschaffung, Installation sowie regelmäßige Wartung. Die Anschaffungskosten für Wallboxen unterscheiden sich je nach Modell und liegen etwa zwischen 500 € und 2.500 €. Die Installationskosten hingegen sind abhängig von den Preisen der Fachbetriebe sowie der Gegebenheiten vor Ort, etwa wie zugänglich der geplante Platz für die Wallbox ist.

Für Arbeitgeber gibt es die Möglichkeit, die Wallbox bei den Mitarbeitenden zu Hause zu bezuschussen oder kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Beide Wege sollten aus Unternehmenssicht gut abgewägt werden.

Grundsätzlich könnte ein E-Auto auch über die haushaltsübliche Steckdose geladen werden, sodass keine Wallbox benötigt wird. Das ist aber aus mehreren Gründen nicht zu empfehlen: Haushaltssteckdosen sind nicht für die dauerhaft hohe Belastung beim Laden eines Elektroautos ausgelegt, wodurch Sicherheitsrisiken entstehen. Zudem dauert der Ladevorgang aufgrund der geringeren Ladeleistung deutlich länger und die Ladeverluste sind wesentlich höher.

Welche Kosten beim öffentlichen Laden entstehen

Beim öffentlichen Laden können erhebliche Preisunterschiede bestehen. Die Kosten hängen vom jeweiligen Anbieter der öffentlichen Ladesäule, dem gewählten Tarif sowie von Ladegeschwindigkeit und Standort ab. Dadurch unterscheiden sich die Preise pro kWh zum Teil deutlich. Anbieter können Energieversorger oder Stadtwerke, Automobilhersteller oder auch spezialisierte Ladeinfrastruktur-Unternehmen sein.

Das sind die Faktoren, die die Ladekosten an öffentlichen Ladesäulen beeinflussen:

1. AC- vs. DC-Laden

AC-Laden ist das Laden mit Wechselstrom, während DC-Laden für „direct current“ bzw. Gleichstrom steht. Während der Strom beim AC-Laden im Auto selbst umgewandelt wird, geschieht dieser Prozess beim DC-Laden bereits in der Ladestation. DC-Laden wird deshalb auch häufig als Schnellladen bezeichnet, da hier mehr Leistung erreicht werden kann. DC-Laden ist daher an öffentlichen Ladesäulen meist teurer. Je nachdem, welche Option für das Laden des Elektrodienstwagens gewählt wird, variieren die Kosten pro kWh.

2. Ladetarife

Bei Anbietern von Ladesäulen können Nutzende eigene Tarife abschließen. Häufig gibt es je Anbieter eine Ladekartemit Grundgebühren und niedrigeren Strompreisen, was sich vor allem für Vielfahrende eignet. Beim Laden ohne Tarif oder Ladekarte können die Ladepreise deutlich höher sein.

3. Blockiergebühren

Wenn ein Auto zu lange an einer Ladesäule steht, kann der Betreiber der Ladesäule Blockiergebühren geltend machen, damit die Ladesäule nicht länger als für die Dauer des eigentlichen Ladevorgangs belegt ist. Meist wird dabei nach Minuten abgerechnet. Manchmal sind Blockiergebühren bei einem Maximalbetrag gedeckelt, dennoch sind sie ein wichtiges Thema, das Nutzende von öffentlichen Ladesäulen beachten müssen.

4. Roaming-Aufschläge

Wer von günstigeren Strompreisen beim Laden profitieren will, schließt häufig einen Tarif mit dem Anbieter der Ladesäulen ab. Aufgrund der Vielzahl von unterschiedlichen Betreibern ist es in der Regel auch möglich, mit der eigenen Ladekarte bei einem anderen Anbieter zu laden. Für dieses Netzwerk und die Abrechnung der Anbieter untereinander fallen sogenannte Roaming-Aufschläge beim Laden an.

5. Zeitfaktor

Die Ladedauer ist von mehreren Faktoren abhängig. Grundsätzlich lässt sich jedoch festhalten, dass ein AC-Ladevorgang mehrere Stunden dauert, während das DC-Laden in etwa einer Stunde erledigt ist. Im Vergleich zum herkömmlichen Tankvorgang bei Verbrennerfahrzeugen ist das sehr viel Zeit, die bei den Kostenkomponenten beim Laden an öffentlichen Ladesäulen berücksichtigt werden muss. Hinzu kommen Umwege zu Ladepunkten sowie Wartezeiten an besetzten Ladesäulen, die im Ladekontext relevanter sind als beim Tanken, da Ladesäulen noch nicht so verbreitet sind wie Tankstellen.

Der direkte Kostenvergleich: zu Hause laden vs. öffentliche Ladesäulen

Um die Kosten für das Laden zu Hause und an öffentlichen Ladesäulen aussagekräftig gegenüberstellen zu können, lohnt sich der Blick auf zwei realistisch ausgewählte Rechenbeispiele.

Hinweis: Bei beiden Beispielen werden folgende Annahmen getroffen:

  • Beim Ladeverlust an der heimischen Wallbox wird vereinfacht von 10 % ausgegangen, an öffentlichen Ladesäulen hingegen wird mit 5 % Grund dafür ist, dass an der heimischen Wallbox in der Regel mit einer geringeren Ladeleistung geladen wird, was die Dauer verlängert und die Energieverluste erhöht.
  • Für öffentliche Ladepreise wird mit realistischen 0,45 €/kWh im günstigen Ladetarif-Abo und 0,75 €/kWh für das Laden ohne Tarif gerechnet. Die tatsächlichen Preise schwanken je nach Anbieter, Standort und Tarif.
  • Die Wallboxkosten werden mit einer Nutzungsdauer von 5 Jahren und Anschaffungs- sowie Installationskosten von 1.500 € veranschlagt. Diese Kosten werden je nach gefahrenen Kilometern pro Monat auf 100 Kilometer heruntergerechnet.
  • Es wird mit gelegentlichen Blockiergebühren gerechnet, die bei Vielfahrern höher sind als bei Mitarbeitenden, die seltener unterwegs sind. Auch die Roaming-Gebühren werden beispielhaft angesetzt.

 

Im ersten Beispiel werden die absoluten Kosten gegenübergestellt, um zu verdeutlichen, wie sich die tatsächlichen Kosten von Heimladen und öffentlichem Laden unterscheiden. Je nach Fahrprofil ist das Szenario, dass ausschließlich zu Hause bzw. an öffentlichen Ladesäulen geladen wird, realistisch oder weniger realistisch. Außendienst-Mitarbeitendebeispielsweise, die häufig längere Strecken zurücklegen, kommen um öffentliches Laden kaum herum. Deshalb wird in einem zweiten Beispiel ein gemischtes Fahrprofil aus öffentlichem Laden und Heimladen betrachtet.

Beispiel 1: Vergleich nur zu Hause laden vs. nur öffentlich laden

Wir betrachten den direkten Kostenvergleich von Heimladen vs. öffentlichem Laden bei einem Verbrauch von 20 kWh/100 km und einer Distanz von 800 km pro Monat:

Zu Hause ladenÖffentliches Laden
Strompreis0,32 €/kWh0,75 €/kWh
Ladeverluste10 % (22 kWh benötigt)5 % (21 kWh benötigt)
Wallboxkosten anteilig1.500 € über 5 Jahre = 25 €/Monat; bei 800 km/Monat: 25 €/Monat / 800 km/Monat = 3,13 €/100 km-
Blockiergebühren-10 €/Monat; 10 €/Monat / 800 km/Monat = 1,25 €/100 km
Gesamtkosten pro 100 km10,17 €/100 km17,00 €/100 km

Der Kostenunterschied zwischen Heimladen und öffentlichem Laden wird in diesem Beispiel sehr deutlich. Bei diesem Fahrprofil mit 800 Kilometern pro Monat ergibt sich durch das Heimladen eine Kostenersparnis von 54,64 € pro Monatbzw. 655,68 € pro Jahr gegenüber dem öffentlichen Laden.

Beispiel 2: Außendienst-Mitarbeitender mit Ladekarte und Abo

In diesem Beispiel wird ein Fahrprofil eines Außendienst-Mitarbeitenden mit 3.000 km/Monat betrachtet, der zu 70 % öffentliches Schnellladen und zu 30 % Heimladen nutzt.

Zu Hause ladenÖffentliches Laden
Strompreis0,32 €/kWh0,45 €/kWh
Ladeverluste10 % (22 kWh benötigt)5 % (21 kWh benötigt)
Wallboxkosten anteilig1.500 € über 5 Jahre = 25 €/Monat; bei 3.000 km/Monat: 25 €/Monat / 3.000 km/Monat = 0,83 €/100 km-
Grundgebühr-11,99 €/Monat; bei 3.000 km/Monat = 0,40 €/100 km
Blockiergebühren-24 €/Monat; 24 €/Monat / 3.000 km/Monat = 0,80 €/100 km
Roaming-Gebühren-Angenommen 10 % der Ladevorgänge zu +0,20 €/kWh; 21 kWh × 10 % × 0,20 € = 0,42 €/100 km
Gesamtkosten pro 100 km7,87 €/100 km11,07 €/100 km
Gemischte Kosten7,87 €/100 km × 30 % + 11,07 €/100 km × 70 % = 10,11 €/100 km

Je mehr Kilometer ein Beschäftigter pro Monat fährt, desto mehr lohnt sich ein Abomodell, das einen geringeren Strompreis an öffentlichen Ladesäulen ermöglicht. Obwohl der Arbeitnehmende den Elektrodienstwagen in diesem Beispiel überwiegend (zu 70 %) an öffentlichen Ladesäulen lädt, trägt das Heimladen enorm zur Kosteneinsparung bei. Würden ausschließlich öffentliche Ladesäulen genutzt, wären die Kosten um 28,80 € pro Monat bzw. 345,60 € pro Jahr höher.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Heimladen aufgrund der günstigeren Stromtarife sowie des Wegfalls unterschiedlicher Gebühren in der Regel günstiger ist als das Laden an öffentlichen Ladesäulen. Die Höhe der Ersparnis hängt allerdings stark vom Fahrprofil, den Ladetarifen und den Gebühren ab. Auch wenn ein Mitarbeitender beispielsweise von einem dynamischen Stromtarif oder von einer eigenen PV-Anlage zur Stromgewinnung profitiert, ist die Kostenersparnis beim Heimladen noch einmal größer.

Heimladen im Unternehmenskontext

Gerade im Unternehmenskontext sind Heimladen und die damit verbundene Kostenersparnis interessant. Unternehmen, die ihre E-Dienstwagenflotte ausbauen und auch aufgrund des Nachhaltigkeitsgedankens vermehrt auf E-Mobilität setzen, sollten sich mit dem Thema Heimladen auseinandersetzen. Aus diesen Gründen ist Heimladen für Unternehmen günstiger als öffentliches Laden:

  • Kostenersparnis im direkten Vergleich, wie die Beispielrechnungen zeigen
  • Wegfall von Roaming-Gebühren sowie Blockiergebühren, die je nach E-Car Policy das Unternehmen trägt oder an die Beschäftigten weiterverrechnet werden müssen

Ein weiterer wichtiger Punkt: Heimladen findet im Gegensatz zum öffentlichen Laden außerhalb der Arbeitszeit statt, sodass beim öffentlichen Laden aus Unternehmenssicht auch die Arbeitszeit der Mitarbeitenden miteinberechnet werden muss. Wenn Dienstwagenfahrende hingegen vorwiegend zu Hause laden, sind sie währenddessen flexibel und die Ladezeit fällt nicht unter die Arbeitszeit. Das Abrechnen und Erstatten der Heimladekosten ist durch Tools wie den Heimlademanager außerdem unkompliziert, automatisiert und steuerfrei möglich.

Gerade bei wachsenden E-Dienstwagenflotten werden Preisunterschiede beim Laden zu Hause im Vergleich zum öffentlichen Laden entscheidend für die Kostenstruktur des Fuhrparks.

Fazit: Der Strompreis allein entscheidet nicht

Wenn Mitarbeitende den Dienstwagen zu Hause laden, profitieren sie von zahlreichen Kostenvorteilen, die sich auch auf das Unternehmen übertragen. Gerade deshalb sollten Unternehmen das Laden zu Hause fördern, indem sie die Erstattung von Heimladekosten so einfach und effizient wie möglich abbilden und vor allem skalierbar machen. Außerdem können Unternehmen vor dem Hintergrund der Kostenvorteile darüber nachdenken, sich an den Anschaffungskosten für eine Wallbox bei den Beschäftigten zu Hause zu beteiligen.

Die Frage „Zu Hause oder öffentlich laden?“ lässt sich also nicht allein über den Preis pro Kilowattstunde beantworten. Erst wer Infrastruktur, Gebühren, Zeitaufwand und Nutzungsverhalten berücksichtigt, versteht die tatsächlichen Kosten der Elektromobilität.

Autorin

Kristina Fraitzl

Kristina Fraitzl​

Freelance SEO-Texterin für HR und Employer Branding

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