11. August 2026 | 8 min Lesezeit

Ein Mobilitätskonzept im Unternehmen – So entwickeln Sie eine zukunftsfähige Mobilitätsstrategie

Die Unternehmensmobilität ist kein reines Fuhrpark-Thema und auch nicht nur ein Benefit-Thema, sondern längst ein zentrales Handlungsfeld in der Unternehmensstrategie. Wie Mobilität im Unternehmen gestaltet ist, beeinflusst die Attraktivität als Arbeitgeber, die Realisierung von Nachhaltigkeitszielen sowie die Kostenstruktur. Wir zeigen, wie Sie mit einem durchdachten Mobilitätskonzept im Unternehmen Ihre Mobilitätsfelder steuern und kosteneffizient gestalten können.

In Kürze

  • Ein Mobilitätskonzept führt Arbeitswege, Fuhrpark, Geschäftsreisen und Kundenverkehr in einer gemeinsamen Strategie

 

  • Unternehmen können damit Mobilitätskosten transparenter steuern, ihre Erreichbarkeit verbessern und Nachhaltigkeitsziele unterstützen.

 

  • Die Entwicklung beginnt mit einer Bestands- und Bedarfsanalyse, aus der messbare Ziele und passende Maßnahmen abgeleitet werden.

 

  • Erfolgreiche Mobilitätskonzepte beziehen HR, Fuhrpark, Geschäftsführung, Nachhaltigkeitsmanagement, IT und Betriebsrat frühzeitig ein.

 

  • Entscheidend ist nicht die Anzahl einzelner Mobilitätsangebote, sondern deren Zusammenspiel sowie die regelmäßige Auswertung und Weiterentwicklung.
Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Mobilitätskonzept und welche Bereiche sind betroffen?

Ein Mobilitätskonzept im Unternehmen beschreibt Ziele, Zuständigkeiten, Regeln und Maßnahmen der betrieblichen Mobilität. Es schafft eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage und verbindet die einzelnen Mobilitätsbereiche mit den übergeordneten Unternehmenszielen. Das Mobilitätskonzept bildet dabei den strategischen Rahmen. Betriebliches Mobilitätsmanagement hingegen bezeichnet den fortlaufenden Prozess, in dem Maßnahmen geplant, umgesetzt, ausgewertet und weiterentwickelt werden.

Folgende Bereiche sind von einem Mobilitätskonzept betroffen:

  • Arbeitswege von Mitarbeitenden
  • Fuhrpark und Dienstfahrzeuge
  • Geschäftsreisen
  • Kundenverkehr

 

Ein Mobilitätskonzept ist kein einzelner Benefit und keine Dienstwagenregelung, sondern eine Strategie, die alle Mobilitätsbedürfnisse im Unternehmen zusammenführt.

Warum Unternehmen heute ein Mobilitätskonzept brauchen

Die Unternehmenswelt verändert sich, und die Mobilität ist ein wesentlicher Teil davon. Viele Faktoren und Entwicklungen sind ausschlaggebend dafür, dass sich Betriebe verstärkt mit ihrer Mobilität in allen Bereichen auseinandersetzen müssen. Wer nur beobachtet und reagiert, anstatt aktiv zu gestalten, verpasst eine wichtige Möglichkeit, Einfluss auf die Kosteneffizienz, die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen und die strategische Ausrichtung des Unternehmens zu nehmen. Diese Entwicklungen machen ein Mobilitätskonzept erforderlich:

BereichErläuterung
Entwicklung einer ArbeitgebermarkeIn Zeiten von Employer Branding und Social Media ist es notwendig geworden, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren und eine starke Arbeitgebermarke zu entwickeln. Die dahinterstehenden Werte müssen sich durch alle Unternehmensbereiche ziehen und betreffen somit auch die Mobilität. Dafür ist ein durchdachtes Mobilitätskonzept unerlässlich.
ArbeitsmodelleArbeitsmodelle sind mittlerweile viel flexibler geworden. Remote Work bzw. hybrides Arbeiten sowie Gleitzeit und Homeoffice gehören längst zum Arbeitsalltag. Dadurch verändern sich auch das Mobilitätsverhalten sowie die Anforderungen an die Mobilität.
NachhaltigkeitEin Mobilitätskonzept hilft dabei, Mobilität nachhaltiger zu gestalten, und dient als wichtige Grundlage für die Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Steigende MobilitätskostenMobilität macht häufig einen wesentlichen Anteil der Geschäftskosten aus. Deshalb ist die Kostenkontrolle entscheidend. Vor allem in den Bereichen Fuhrpark und Geschäftsreisen hilft ein Mobilitätskonzept dabei, grundlegende Entscheidungen so zu treffen, dass Mobilitätsausgaben möglichst effizient eingesetzt werden.

Mobilitätskonzept gestalten – Tipps und wichtige Überlegungen

Ein Mobilitätskonzept im Unternehmen sollte alle betroffenen Bereiche behandeln und genau festlegen, welche Maßnahmen entscheidend sind, wie die strategische Ausrichtung aussehen soll und welche Ziele damit erreicht werden sollen.

Arbeitswege von Mitarbeitenden

Einen wesentlichen Teil der betrieblichen Mobilität stellen die Arbeitswege der Beschäftigten dar. Wie Arbeitnehmende von ihrem Wohnort zum Unternehmen gelangen und auf welche Verkehrsmittel sie zurückgreifen, sollte für Arbeitgeber ein wichtiges Thema sein.

Gerade wenn Unternehmen Wert darauf legen, den Arbeitsweg von Mitarbeitenden nachhaltiger zu gestalten, sollten Verkehrsmittel wie das Fahrrad oder der ÖPNV gefördert werden. Mit diesen Tipps können Sie genau das erreichen:

Verkehrsmittel, das gefördert werden sollTipps
FahrradÜberdachter, beleuchteter und ausreichend großer Stellplatz für Fahrräder
Kleine Werkstattbox mit den nötigsten Reparaturwerkzeugen
Umkleide und ggf. Duschen
Ebenerdige Abstellmöglichkeit für Fahrräder
ÖPNVMultimodale Kombinationen aus ÖPNV und Fahrrad oder Fußweg recherchieren und bewerben
Über allgemeine und individuelle Verbindungen zum Arbeitsplatz informieren
Mobilitätsbudget anbieten, um den ÖPNV als steuerfreies Verkehrsmittel zu fördern
Shuttlebusse von Bahnstationen zum Unternehmensstandort in ländlichen Gebieten; auch gemeinsame Busse mit benachbarten Unternehmen (z. B. im Gewerbegebiet) sind möglich
FahrgemeinschaftenPortal für Fahrgemeinschaften anbieten
Anreize für Fahrgemeinschaften schaffen (z. B. durch die Verlosung von Preisen)
Präferierte Parkplätze für Fahrgemeinschaften reservieren
Lösungen bieten für den Fall, dass Fahrer der Fahrgemeinschaft ausfällt (bei Urlaub oder Krankheit): z. B. Poolfahrzeug zur Verfügung stellen oder Car-Sharing fördern
ElektromobilitätLadeinfrastruktur schaffen durch Lademöglichkeiten am Standort oder die Bezuschussung einer Wallbox zu Hause
Ladestationen auch für E-Bikes anbieten
E-Bikes als Firmenfahrräder oder über Fahrrad-Leasing anbieten

Wichtig: Die Maßnahmen aus dem Mobilitätskonzept sollten auch immer komplett durchdacht sein. Beispielsweise sollten Arbeitsbeginn und -ende so flexibel gestaltet sein, dass der ÖPNV auch tatsächlich genutzt werden kann. Auch die Einführung oder Erweiterung von Homeoffice-Regelungen kann nachhaltig sein, da der Arbeitsweg an bestimmten Tagen komplett entfällt.

Fuhrpark und Dienstfahrzeuge

Ein Mobilitätskonzept legt auch fest, wie mit dem Thema Fuhrpark und Dienstfahrzeuge umgegangen wird. Dabei sollten Unternehmen sowohl die strategische Ausrichtung des Fuhrparkmanagements als auch die konkreten Umsetzungsschritte definieren. Alle Regelungen zum Dienstwagen sollten in der Car Policy bzw. E-Car Policy Platz finden und das Mobilitätskonzept sinnvoll ergänzen.

Auch das Mobilitätsbudget kann dazu beitragen, Fuhrparkkosten zu senken. Teilweise ersetzt es den Dienstwagen oder spart über das Downsizing-Modell Kosten ein.

Geschäftsreisen

Hier sollte das Mobilitätskonzept genau beschreiben, wie Geschäftsreisen durchzuführen sind. Beispielsweise können Sie festlegen, bei welchen Entfernungen und Reisezeiten die Bahn gegenüber dem Flugzeug oder Dienstwagen bevorzugt werden soll. Wenn Ihre Mitarbeitenden nur selten zu Außenterminen unterwegs sind, können Sie auch vermehrt Carsharing-Angebote in Anspruch nehmen, um auf Poolfahrzeuge zu verzichten. Für Angestellte, die sehr häufig mit der Bahn unterwegs sind, lohnt sich vielleicht auch eine BahnCard Business, die das Unternehmen zur Verfügung stellen kann.

Tipp: Auch ob Geschäftsreisen überhaupt nötig sind oder eventuell durch Online-Meetings ersetzt werden können, sollte geprüft und schriftlich festgehalten werden.

Die Regelungen zur Mobilität auf dienstlich veranlassten Reisen werden in einer speziellen Mobilitätsrichtliniefestgehalten, die Teil eines Mobilitätskonzepts ist.

Kundenverkehr

Auch der Kundenverkehr sollte in die Überlegungen miteinbezogen werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auchKunden und Geschäftspartner zur nachhaltigen Mobilität zu motivieren: Fügen Sie einer Terminbestätigung beispielsweise eine Anfahrtsbeschreibung inklusive Anreisemöglichkeiten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hinzu oder bieten Sie Geschäftspartnern an, sie vom nächsten Bahnhof abzuholen, um „die letzte Meile“ zum Unternehmensstandort zu überbrücken.

Sie erkennen: Ein Mobilitätskonzept erfordert, die betriebliche Mobilität in allen Facetten und Bereichen zu überdenken. Der Arbeitsweg von Arbeitnehmenden kann nicht isoliert betrachtet werden, sondern zieht Überlegungen bezüglich der Arbeits(zeit)modelle nach sich. Eine Ausweitung des Mobilitätsbudgets hat möglicherweise Auswirkungen auf das Fuhrparkmanagement und kann die Flottengrößen in Unternehmen reduzieren. Eine ganzheitliche Betrachtung sowie das Einbeziehen aller beteiligten Personen ist beim Mobilitätskonzept im Unternehmen also die Basis.

Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt dabei auch immer von Standort, Belegschaft, Arbeitsmodellen und Mobilitätsdaten ab. Ein urbanes Büro hat andere Anforderungen als ein Produktionsbetrieb im ländlichen Raum oder ein Unternehmen mit großem Außendienst. Deshalb sollten Maßnahmen nach Wirkung, Kosten, Umsetzbarkeit und Reichweite priorisiert werden.

Wer erstellt ein Mobilitätskonzept?

Gerade weil das Mobilitätskonzept ein umfassendes und fachübergreifendes Projekt ist, sollten alle Parteienmiteinbezogen werden. Das sind in den meisten Fällen:

  • HR
  • Geschäftsführung
  • Fuhrparkmanagement
  • Nachhaltigkeitsmanagement
  • IT
  • Betriebsrat

 

Tipp: Behandeln Sie die Ausarbeitung eines betrieblichen Mobilitätskonzepts wie ein Projekt und legen Sie entsprechend Zeitziele und Verantwortlichkeiten fest. Ein Workshop mit allen beteiligten Personen zu Beginn des Projekts holt alle zum Thema ab und schafft einen Raum für die erste Ideensammlung.

Der Erarbeitung eines Mobilitätskonzepts sollten immer Daten und Ausgangsanalysen zugrunde liegen. Bereits zu Projektbeginn müssen also bestimmte Auswertungen, Umfragen und Analysen stattfinden, um passende Maßnahmen zur ÖPNV-Förderung, Kostenkontrolle oder Fuhrparkgestaltung festlegen zu können. Auf dieser Grundlage können dann datenbasierte Entscheidungen für das Mobilitätskonzept getroffen werden.

So entwickeln Sie ein Mobilitätskonzept

  1. Ausgangslage analysieren: Erfassen Sie Standorte, Wohnorte, Arbeitsmodelle, Pendelwege, Fuhrpark, Geschäftsreisen, Kosten und bestehende Benefits.
  2. Bedürfnisse ermitteln: Führen Sie Befragungen von Mitarbeitenden durch und berücksichtigen Sie dabei unterschiedliche Standort-, Schicht- und Tätigkeitsprofile.
  3. Ziele definieren: Zum Beispiel Mobilitätskosten senken, Parkplatzbedarf reduzieren, CO₂-Emissionen verringern oder die Standorterreichbarkeit verbessern.
  4. Maßnahmen priorisieren: Vergleichen Sie Wirkung, Kosten, Umsetzbarkeit und Akzeptanz und entwickeln Sie daraus ein Maßnahmenpaket.
  5. Verantwortlichkeiten und Richtlinien festlegen: Definieren Sie Zuständigkeiten, Budgets, Car Policy, Reiserichtlinie und Benefitregeln.
  6. Umsetzen und kommunizieren: Führen Sie die ausgewählten Angebote ein, erklären Sie diese verständlich und reduzieren Sie so Nutzungshürden.
  7. Wirkung messen: Werten Sie Nutzungsquoten, Kosten, Emissionen und Feedback regelmäßig aus und entwickeln Sie das Konzept weiter.


Ein Mobilitätskonzept braucht messbare Ziele. Unternehmen sollten bereits zu Beginn festlegen, anhand welcher Kennzahlen sie den Erfolg bewerten. Nur wenn Kosten, Nutzung, Emissionen und Akzeptanz regelmäßig ausgewertet werden, lässt sich erkennen, welche Maßnahmen wirken und wo nachgesteuert werden muss.

Fazit: Das Mobilitätskonzept im Unternehmen

Ein erfolgreiches Mobilitätskonzept betrachtet Mobilität nicht isoliert. Es verbindet Pendelwege, Geschäftsreisen, Fuhrpark und weitere Mobilitätsbedürfnisse zu einer gemeinsamen Strategie. Unternehmen schaffen damit nicht nur attraktive Angebote für ihre Mitarbeitenden, sondern können Mobilität effizienter steuern, Kosten besser kontrollieren und ihre Nachhaltigkeitsziele unterstützen.

Benefits wie das Mobilitätsbudget, der Dienstwagen, ein Jobticket oder die Bezuschussung der Wallbox zu Hause sind dabei zentrale Bausteine eines modernen Mobilitätskonzepts. Allein die Umstellung auf Elektromobilität oder das Anbieten eines Mobilitätsbudgets macht aus einem Benefit noch lange kein Konzept.

Autorin

Kristina Fraitzl

Kristina Fraitzl​

Freelance SEO-Texterin für HR und Employer Branding

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